Darum verstehe ich den Veganer, der selber jagt und tötet

Martin Rohla erklärt in diesem Blogbeitrag, warum er ab 16. November Veganer wird – und gleichzeitig seinen Jagdschein behält. Ich bin Veganerin und verstehe ihn sogar. Und ich erkläre dir auch, wieso das für mich zusammenpasst:

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Tierische Produkte sind ersetzbar

Rohlas Erklärungen treffen bei mir einen wunden Punkt. Ich bin überzeugt davon, dass vegan zu leben (für mich!) die einzig richtige und ethisch vertretbare Entscheidung ist. 

Ich könnte keine Tiere töten und finde es unfair, dass andere es für mich tun müssen. Ich lehne die industrielle Produktion und Schlachtung von Lebewesen ab. Milch, Eier, Wolle und Honig sind inzwischen leicht und unkompliziert zu ersetzen. 

Es gibt wirklich keinen Grund, nicht auf tierische Produkte zu verzichten. 

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Der Wildschweinragout-Zwischenfall

Trotz meiner Überzeugung habe ich allerdings in meinem letzten Toskana-Urlaub Pasta mit Wildschweinragout gegessen – und ich habe es geliebt. Zwischen meinen „Oh mein Gott!“ und „Ist das lecker!“-Ausrufen, nahm ich meiner Begleitung das Versprechen ab, niemals jemandem zu erzählen, was hier vorgefallen war. Natürlich hielt dieses Versprechen gerade einmal bis hinter die italienische Grenze.

Das Wissen, dass ich auf viele Dinge leicht verzichten kann und die moralische Überzeugung halten mich bisher nicht gänzlich davon ab, ab und zu Käsekuchen, Eiersalat oder vegetarische Lasagne zu vertilgen. Aber der Wildschwein-Zwischenfall im Mai war mein letzter Fleischfehltritt.

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Jeganer Philosophie

Martin Rohla (52) macht in seinem Blogpost deutlich, dass ihm die Bedingungen, unter denen Fleisch, Eier, Milch und Co. produziert werden, widerstreben. 

Doch es geht ihm nicht nur darum, Tierleid zu verhindern. Für ihn sind auch die Verschwendung von Wasser, die Umweltverschmutzung und die fehlende Transparenz der Prozesse gute Gründe, vegan zu leben. 

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Fleischesser sollen selbst jagen

Die erste Reaktion, wenn man liest, dass jemand vegan leben und gleichzeitig Tiere töten möchte: Skepsis. Vegetarische und vegane Lebensweisen werden überwiegend damit begründet, dass das Töten eines Tieres schlichtweg unmoralisch sei. Aber ich kann Rohla verstehen.

Denn auch, wenn ich es persönlich nicht richtig finde, Tiere zu töten und zu essen, glaube ich: Selbst jagen und schlachten berechtigt den Menschen noch am ehesten dazu, Fleischesser zu sein. 

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Dem Tier dankbar sein

Nicht grundlos pflegen die meisten Urvölker komplexe Rituale rund um die Jagd, in denen sie nicht nur der Natur für ihre Gaben danken, sondern auch dem erlegten Tier – dafür, dass es sein Leben hingibt und sie ernährt.

Rohla umgeht mit seinem Vorhaben mehrere Probleme, die die moderne Fleischindustrie uns aufzwingt.

  1. Die von ihm erlegten Tiere haben ihr Leben im Freien und damit so artgerecht wie möglich verbracht. 
  2. Sie wissen nicht, dass sie Sterben werden und bei hoher Fertigkeit des Jägers haben sie wenig bis keine Schmerzen bei ihrer Tötung. 
  3. Ihr gesamter Körper wird verwendet und damit in gewisser Weise geehrt. 
  4. Rohla selbst setzt sich dem Prozess des Tötens und Zerlegens aus. Er weiß, welchen Preis er und das Tier für eine Mahlzeit zahlen mussten. 

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Wildschweinragout mit einem Jeganer

Ich finde es mutig von Rohla, über seine Perspektive zu berichten – auch, wenn ich selbst nicht bereit wäre, seine Form des „veganen“ Lebens zu wählen. Aber wenn er tatsächlich so bewusst und demütig jagt und isst, wie er angibt, dann gönne ich ihm sein Wildschweinsteak vom ganzen Herzen. 

Sein Artikel zeigt mir aber auch, dass ich wirklich davon überzeugt bin, selbst kein Tierleben für meinen Genuss opfern zu wollen.

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Ich bereue meinen Wildschwein-Zwischenfall immer noch und ich habe zwei Dinge aus Rohlas Blogpost gelernt: 

Ich will wirklich kein Fleisch mehr essen. 

Wenn ich das durchziehen will, sollte ich besser nie wieder in die Toskana fahren. 

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Gönnst du Martin Rohla sein Wildschweinsteak?

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Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: